Presseinformation.

26.08.2010

LBBW legt Halbjahreszahlen 2010 vor

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) konnte im ersten Halbjahr 2010 ihre gute Position im Kundengeschäft trotz eines nach wie vor anspruchsvollen Marktumfeldes ausbauen und die Erträge im Geschäft mit Privatkunden sowie mit Unternehmens- und Großkunden insgesamt weiter steigern. Erfreulich war zudem die Entwicklung der Kreditrisikovorsorge, die zum Halbjahr bei 297 Millionen Euro und damit um knapp 60 Prozent unter dem Vorjahreswert lag.

  • Kundengeschäft mit erfreulicher Entwicklung
  • Entwicklung der Kreditrisikovorsorge spiegelt wirtschaftliche Erholung bei den Unternehmen wider
  • Staatenkrise belastet zum Stichtag stark das Ergebnis und führt zu Halbjahresverlust von 290 Millionen Euro
  • Solide Kapitalausstattung
  • Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen im Plan

Stark ergebnisbelastend wirkte hingegen die Volatilität der Finanzmärkte. Dieser Volatilität hat die Bank in der Gewinn- und Verlustrechnung Rechnung getragen, indem sie angesichts der extrem hohen Risikoaufschläge allein für Staatsrisiken Belastungen von rund 650 Millionen Euro verarbeitet hat. Insgesamt wurde das Halbjahresergebnis durch Bewertungsverluste vor allem bei Kreditderivaten im Kreditersatzgeschäftportfolio in Höhe von 745 Millionen Euro belastet. Außerdem wirkten sich Provisionszahlungen für den vom Land Baden-Württemberg bereitgestellten Risikoschirm in Höhe von 153 Millionen Euro sowie Restrukturierungsauf- wendungen von 54 Millionen Euro auf das Konzernergebnis aus. Die LBBW wies zum Halbjahr daher einen Konzernfehlbetrag nach Steuern in Höhe von 290 Millionen Euro aus.

Das Halbjahresergebnis der LBBW wurde maßgeblich durch die unterschiedlichen Entwicklungen von Realwirtschaft und Finanzmarkt geprägt. Dabei zeigte sich ein zweigeteiltes Bild: Einerseits haben Konjunkturaufhellungen und die steigende Exportnachfrage zu einer wirtschaftlichen Erholung der Unternehmen, insbesondere auch bei mittelständischen Unternehmen im LBBW-Kernmarkt Baden-Württemberg, geführt. Dadurch wurde das Unternehmenskundengeschäft in den vergangenen Monaten merklich gestärkt. Zum Halbjahr konnte die LBBW zudem ihre gesamte Kreditrisikovorsorge im Vergleich zum Vorjahr um 420 Millionen Euro deutlich verringern. Auf der anderen Seite belasteten jedoch hohe Risikoaufschläge in Folge der Staatenkrise das Ergebnis der LBBW. Im Juni 2010 hatten die Spreads für Staatenrisiken Höchststände erreicht. Diese Risikoaufschläge haben das Ergebnis stark belastet. Der Konzernfehlbetrag zum Halbjahr in Höhe von 290 Millionen Euro geht ursächlich also ausschließlich auf die Bewertung von Staatsrisiken zurück.

"Wie irrational die Verwerfungen bei der Bewertung von Staatsrisiken zum Halbjahr teilweise gewesen sind, zeigt die Tatsache, dass diese Wertminderungen bereits vier Wochen später in großen Teilen wieder aufgeholt waren", erklärte LBBW-Vorstandsvorsitzender Hans-Jörg Vetter und ergänzte mit Blick auf die weiterhin hohe Volatilität: "Für die LBBW hat es hohe Priorität, die Belastungen, die durch die Volatilität der Märkte entstehen, nachhaltig zu verringern. Deshalb wird die LBBW ihr Kreditersatzgeschäft weiter strukturiert und kontrolliert zurückführen, um künftig vergleichbare Auswirkungen auf das Ergebnis zu reduzieren."

Ertrags- und Aufwandsposten des ersten Halbjahrs 2010

Das Zinsergebnis verzeichnete trotz des schwierigen Marktumfelds einen deutlichen Zuwachs von 9,2 Prozent und lag bei 1,257 Milliarden Euro. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert (1,151 Milliarden Euro) resultierte aus dem operativen Geschäft aufgrund erhöhter Margen sowie aus den geringeren Zinsaufwendungen für die Liquiditätsbeschaffung.

Die Kreditrisikovorsorge lag zum Halbjahr 58,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Grund hierfür war die gesamtwirtschaftliche Erholung, die sich auch in einer Verbesserung der Kundenbonität bemerkbar machte. Im ersten Halbjahr hat die LBBW – bei Beibehaltung ihrer vorsichtigen Risikopolitik – rund 736 Millionen Euro der Risikovorsorge zugeführt. Im Gegenzug konnten Auflösungen von rund 460 Millionen vorgenommen werden. Darüber hinaus haben sich die Direktabschreibungen auf Forderungen verringert, so dass die Kreditrisikovorsorge zum Halbjahr bei insgesamt 297 Millionen Euro lag.

Das Provisionsergebnis betrug 316 Millionen Euro und lag damit 24,2 Prozent unter dem Vorjahreswert, der stark von Sondereffekten aus Einzeltransaktionen geprägt war. Die zum Stichtagstermin teilweise irrational hohen Spreads auf Staatsrisiken und daraus resultierende Bewertungsverluste auf die entsprechenden Kreditderivate belasteten das Handelsergebnis stark. Es lag zum 30. Juni bei -710 Millionen Euro (Vorjahr: 704 Millionen Euro). Das sonstige betriebliche Ergebnis betrug 73 Millionen Euro und lag damit deutlich über dem durch Einmaleffekte belasteten Vorjahreswert von 9 Millionen Euro.

Die Verwaltungsaufwendungen sanken im ersten Halbjahr 2010 um 37 Millionen Euro (-4,0 Prozent) auf 877 Millionen Euro. Hier zeigten sich erste Erfolge des Kostensenkungsprogramms. Bei den Sachkosten konnten Einsparungen bei Leasinggebühren sowie durch den Wegfall von Beratungs- und Gutachterkosten realisiert werden. Auch der Personalaufwand hat sich leicht verringert.

Das Finanzanlageergebnis drehte im Vergleich zum Vorjahresergebnis von -224 Millionen Euro deutlich ins Plus, es lag zum Halbjahr bei 136 Millionen Euro. In das Ergebnis flossen auch Erträge durch den Verkauf von Beteiligungen ein.

Aufgrund der Belastungen im Handelsergebnis summierte sich das operative Ergebnis zum Halbjahr auf -114 Millionen Euro (Vorjahr: 405 Millionen Euro). Die Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 54 Millionen Euro lagen im ersten Halbjahr im Rahmen der Erwartungen.

Die Kosten für den Risikoschirm durch das Land Baden- Württemberg belaufen sich auf 336 Millionen Euro pro Jahr. Daraus fallen zum Halbjahr 153 Millionen Euro als Provisionsaufwand für öffentliche Garantien an. Zur Verbesserung der Transparenz wurde die Avalprovision zum Halbjahr erstmalig in einer separaten GuV-Position ausgewiesen.

Das Konzernergebnis vor Steuern betrug zum Halbjahr -321 Millionen Euro (Vorjahr: 405 Millionen Euro). Nach Berücksichtigung von Steuereffekten in Höhe von 31 Millionen Euro verzeichnete der LBBW-Konzern somit zum 30. Juni 2010 einen Konzernfehlbetrag von 290 Millionen Euro (Vorjahr: Konzernüberschuss von 302 Millionen Euro).

Vorstandsvorsitzender Hans-Jörg Vetter: "Mit dem Halbjahresergebnis können wir nicht zufrieden sein, zeigt es doch die noch zu hohe Abhängigkeit von der Entwicklung der Finanzmärkte. Insofern ist es richtig, das Kreditersatzgeschäft weiterhin deutlich zu reduzieren. In den ersten sechs Monaten des Jahres ist hier bereits ein Rückgang in Höhe von rund 8 Milliarden Euro auf rund 66 Milliarden erreicht worden. Bis zum Jahresende 2010 wollen wir im Rahmen des Restrukturierungsplans unser Kreditersatzgeschäftportfolio auf unter 60 Milliarden Euro zurückführen."

Die operativen Segmente im Überblick

Die operativen Erträge des Segments Corporates liegen auf dem Niveau des von positiven Einmaleffekten geprägten Vorjahrs. Der Wegfall dieser Effekte konnte im ersten Halbjahr 2010 durch höhere Zinserlöse aus dem Einlagengeschäft sowie durch Provisionserlöse aus Spezialfinanzierungen beziehungsweise Strukturierungen kompensiert werden. Die Risikovorsorge der ersten sechs Monate 2010 liegt mit 367 Millionen Euro um 33 Prozent unter dem Vorjahreswert und spiegelt auch die gesamtwirtschaftliche konjunkturelle Erholung bei den Unternehmen wider. Als verlässliche Partner ihrer Unternehmenskunden haben sowohl die BW-Bank im Kernmarkt Baden-Württemberg als auch das LBBW-konzernweite Unternehmenskundengeschäft ihre Kreditvergabe im ersten Halbjahr insgesamt erneut leicht ausgebaut. Das Konzernergebnis vor Steuern lag im Segment Corporates bei 380 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber dem Vorjahreswert (154 Millionen Euro) mehr als verdoppelt.

Die operativen Erträge im Segment Retail Clients liegen mit insgesamt 312 Millionen Euro aufgrund positiver Entwicklungen im Filialvertrieb und im Wealth Management 8 Prozent über dem Vorjahreswert. Verstärkt wurde das Segmentergebnis durch einen positiven Beitrag der Risikovorsorge. Das Konzernergebnis vor Steuern des Segment Retail Clients konnte um 55 Millionen Euro auf 72 Millionen Euro gesteigert werden.

Das Ergebnis des erfolgreichen ersten Halbjahrs 2009, das stark von der Finanzmarkterholung geprägt war, konnte das Segment Financial Markets 2010 erwartungsgemäß nicht wiederholen. Die operativen Erträge (368 Millionen Euro) und das Konzernergebnis vor Steuern (200 Millionen Euro) dieses Segments haben sich plangemäß in etwa halbiert.

Aufgrund der hohen Bewertungsverluste im CDS-Portfolio ergaben sich im Segment Credit Investment Portfolio/Treasury im ersten Halbjahr negative operative Erträge in Höhe von -768 Millionen Euro (Vorjahr: 303 Millionen Euro). Erfreulich war, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres durch Auflösungen von Impairments – in erster Linie bei besicherten Anleihen – ein positiver Ergebnisbeitrag von 84 Millionen Euro verbucht werden konnte. Das Konzernergebnis vor Steuern dieses Segments lag damit bei -785 Millionen Euro (Vorjahr: -14 Millionen Euro).

Restrukturierung wird konsequent umgesetzt: LBBW stellt sich zukunftssicher und profitabel auf

Gegenwärtig erfolgt die stringente Umsetzung des von der Europäischen Kommission genehmigten Restrukturierungsplans. "Wir sind auf gutem Wege, für den LBBW-Konzern ein effizientes und streng an den Anforderungen unserer Kunden ausgerichtetes Geschäftsmodell umzusetzen, das auch bei erheblichen Marktausschlägen zukunftssicher und profitabel aufgestellt sein wird", sagte Vetter. Die Restrukturierungsmaßnahmen werden plangemäß durchgeführt. Einige Vorgaben sind bereits erfüllt, etwa die Schließung von europäischen Auslandsrepräsentanzen oder die Trennung von einzelnen Beteiligungen. Zuletzt hat die LBBW in diesem Zusammenhang am 16. August 2010 das Privatkundengeschäft ihrer Tochtergesellschaft, LBBW Luxemburg S.A., an die DekaBank Luxembourg verkauft. Parallel laufen zudem weiterhin die Vorbereitungen für den anstehenden Rechtsformwechsel der LBBW.

Um den geforderten Abbau von insgesamt rund 2.500 Stellen zu realisieren, hat die Bank gemäß den Regelungen des im Juli unterzeichneten neuen Tarifvertrags Abfindungs- und Vorruhestandsangebote unterbreitet. Bislang wurden insgesamt bereits Austritte in der Größenordnung von 815 Vollzeitstellen vereinbart. Davon wurden auf Basis der freiwilligen Angebote Vorruhestands- und Aufhebungsverträge rund 550 Vereinbarungen abgeschlossen.

Solide Kapitalausstattung

Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Bank ist zudem die solide Eigenkapitalbasis. Zum 30. Juni 2010 wies die LBBW eine gute Kernkapitalquote von 10,1 Prozent sowie eine Gesamtkennziffer von 14,2 Prozent aus. Dass die LBBW über ausreichend Eigenkapitalmittel verfügt, wurde durch ihr positives Abschneiden bei den Stresstest-Szenarien des Committee of European Banking Supervisors (CEBS) im Juli belegt. Selbst im Abschwungszenario unter Einbeziehung eines Kursverfalls von Staatsanleihen für das Jahr 2011 erreichte die Bank eine Eigenkapitalquote von 8,1 Prozent. "Der Stresstest hat gezeigt, dass die LBBW über eine solide Kapitalausstattung verfügt und somit auch für den Fall weiterer, größerer Verwerfungen an den Finanzmärkten einen ausreichenden Puffer besitzt", erklärte Vetter.

Ausblick

Die LBBW geht davon aus, dass sich im zweiten Halbjahr die hohe Volatilität der Finanzmärkte etwas verringert. Dennoch bleibt die Situation insgesamt angespannt; das internationale Finanzsystem wird nach wie vor als sehr fragil eingeschätzt. Zudem ist das Ausmaß zukünftiger Belastungen für Banken durch regulative Maßnahmen als Konsequenz der Finanzmarktkrise noch unklar. Deshalb ist eine verlässliche Prognose für das LBBW-Gesamtjahresergebnis derzeit nicht seriös zu erstellen.

Hinweis:

Für die Ausschüttung und Wertaufholung bzw. Verlustteilnahme der Genussscheine ist das Ergebnis des LBBW-Einzelabschlusses (nach HGB) zum Jahresende maßgeblich. Die LBBW veröffentlicht keinen HGB-Abschluss zum Halbjahr. Auch für das HGB-Jahresgesamtergebnis gilt, dass eine verlässliche Prognose zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös erstellt werden kann.

Geschäftszahlen des LBBW-Konzerns zum 30. Juni 2010

LBBW-Halbjahreszahlen 2010
LBBW Halbjahreszahlen 2010 Tabelle 2
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Alexander Braun
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