Presseinformation.

01.10.2009

Gremien der LBBW stimmen dem Restrukturierungsplan des Vorstands zu

Trägerversammlung und Verwaltungsrat der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) haben heute dem Plan des Vorstands für eine umfassende Restrukturierung und Neuausrichtung zugestimmt. Eckpfeiler des Plans, der in den kommenden Tagen von der Bundesrepublik Deutschland bei der EU-Kommission eingereicht wird, sind die Verringerung der Bilanzsumme des Konzerns um rund 40 Prozent, die Senkung der Kosten um rund 700 Millionen Euro jährlich sowie die Reduzierung von rund 2.500 Stellen bis zum Jahr 2013. Die LBBW wird sich künftig konsequent auf die Geschäfte mit ihren Hauptkundengruppen – mittelständische Unternehmen, Privatkunden und Sparkassen – konzentrieren.

  • LBBW fokussiert sich auf gesunde Kerngeschäfte mit mittelständischen Firmenkunden, Privatkunden und Sparkassen, Financial Markets insbesondere auch mit institutionellen Kunden
  • Abbau von nicht-strategischen Aktivitäten und Beteiligungen
  • Ziel: Reduzierung der Bilanzsumme um rund 40 Prozent
  • Kostenreduzierung um rund 700 Millionen Euro jährlich vorgesehen
  • Durch Einmaleffekte deutlicher Verlust im Jahr 2009 erwartet
  • Hans-Jörg Vetter: "Restrukturierung ist schmerzhaft, aber unumgänglich, um LBBW wieder zukunftssicher aufzustellen."

Der Restrukturierungsplan ist zugleich Voraussetzung dafür, dass die EU-Kommission die im Frühsommer 2009 bei der LBBW vollzogene Kapitalerhöhung in Höhe von 5 Milliarden Euro durch die Träger sowie die gleichzeitig vereinbarte Abschirmung der Bank von Risiken im Volumen von 12,7 Milliarden Euro endgültig genehmigt. Die EU hatte im Juni für beide Maßnahmen ihr vorläufiges Plazet gegeben, die endgültige Zustimmung jedoch von einem Restrukturierungsplan abhängig gemacht, mit dem die vermuteten Wettbewerbsvorteile zugunsten der LBBW ausgeglichen werden sollen. Durch die Kapitalerhöhung hat sich die Kernkapitalquote des LBBW-Konzerns per 30. Juni 2009 auf 9,4 Prozent erhöht. Der Vorstand geht davon aus, dass die Prüfung des nun beschlossenen Restrukturierungsplans durch die EU-Kommission mehrere Monate dauern wird.

"Wir sind uns sehr bewusst, dass die Maßnahmen für die Bank und viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schmerzhafte Einschnitte sein werden. Wir haben uns die Erarbeitung nicht leicht gemacht, und wir bedauern den Verlust jeder Stelle. Die LBBW steht vor einem Kraftakt. Er ist jedoch unumgänglich, um die Bank wieder zukunftssicher zu machen und an das deutlich veränderte Marktumfeld anzupassen", sagte Hans-Jörg Vetter, Vorstandsvorsitzender der LBBW. Vetter weiter: "Auf Basis eines klaren Geschäftsmodells und eines deutlich reduzierten Risikoprofils wird die neu ausgerichtete LBBW für die Unternehmen und Menschen in ihren Kernregionen ein starker und verlässlicher Partner bleiben." Vetter fügte hinzu, die erforderlichen Maßnahmen würden so sozialverträglich wie möglich und fair erfolgen. Die Führung der Bank sei sich ihrer Verantwortung bewusst. Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen wurden bereits aufgenommen.

Das vom Vorstand verabschiedete Konzept umfasst folgende Eckpunkte:

  • Strategisch wird sich die LBBW auf ihre Kernaktivitäten mit Wachstumsperspektiven konzentrieren, insbesondere auf die erfreulich verlaufenden und deutlich über Plan liegenden Geschäfte mit mittelständischen Firmenkunden, Privatkunden und Sparkassen. Flankiert wird dies durch leistungsfähige Immobilienfinanzierungs- und Kapitalmarktprodukte, auch für institutionelle Kunden. Die LBBW versteht sich weiterhin als verlässlicher Partner der mittelständischen Wirtschaft in ihren regionalen Kernmärkten. Außerhalb der Kernmärkte konzentriert sich die Bank im Firmenkundengeschäft auf große Unternehmen im deutschsprachigen Raum.
  • Das Geschäft mit gewerblichen Immobilienkunden konzentriert sich künftig auf Deutschland und eingeschränkte Aktivitäten im Ausland (USA und Großbritannien).
  • Das Kreditersatzgeschäft wird - wie bereits berichtet - sukzessive auslaufen. Im Vordergrund stehen künftig ganz klar die kundenbezogenen Aktivitäten. Auch Flugzeug- und Schiffsfinanzierungen wird die LBBW nicht mehr anbieten. Projektfinanzierungen werden nur noch im Zusammenhang mit Kundengeschäften und Projekten im Kontext erneuerbarer Energien betrieben.
  • Im Auslandsgeschäft sieht der Plan die Konzentration auf Export- und Handelsfinanzierungen im Kundeninteresse vor. Darüber hinaus kommt es zu einer Straffung des Auslandsnetzes. Die Tochtergesellschaften in Irland und Luxemburg sowie der Broker Dealer in New York werden geschlossen oder veräußert. Die elf europäischen Repräsentanzen mit Ausnahme von Wien, Zürich und Moskau sollen aufgegeben werden. An den Standorten in Asien und Amerika will die Bank festhalten und sie noch stärker in die Arbeit für die Kunden einbinden.
  • Schließlich ist in Erfüllung der EU-Auflagen der Verkauf von Beteiligungen vorgesehen.

In der Summe aller Maßnahmen wird sich die Bilanzsumme des LBBW-Konzerns (448 Milliarden Euro per 30. Juni 2009) um circa 40 Prozent reduzieren.

Der Vorstandsplan sieht Kostensenkungen mit einem Gesamtvolumen von rund 700 Millionen Euro jährlich vor. Die Kostensenkungen werden nach aktueller Planung in den Folgejahren sukzessive ansteigen und erstmals im Jahr 2013 weitgehend erreicht werden.

Die strategische Neuausrichtung wird nach heutigem Stand mit der Verringerung der Stellenzahl in der LBBW um rund 2.500 verbunden sein. Per 30. Juni 2009 betrug die Mitarbeiterzahl der LBBW rund 10.000. Der Vorstand hat das Ziel, die Reduzierung der Stellenzahl so sozialverträglich wie möglich zu vollziehen. Er wird zudem einen engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern pflegen.

Die Gremien der LBBW haben sich heute darüber hinaus mit ersten Einschätzungen des Vorstands zum Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr 2009 befasst. Trotz einer erfreulichen und deutlich über Plan liegenden Entwicklung im operativen Geschäft wird mit einem deutlichen Verlust im Wesentlichen infolge von Einmaleffekten gerechnet. Im Jahresergebnis werden sich neben der Finanzmarktkrise und einer erhöhten Risikovorsorge als Folge der Wirtschaftskrise auch Belastungen aus Immobilienfinanzierungen sowie die Kosten der geplanten Restrukturierung niederschlagen. Damit wird eine Bedienung der Genussscheine sowie der stillen Einlagen aus heutiger Sicht nicht erfolgen. Für eine Ausschüttung wird es aus heutiger Sicht in diesem Jahr keinen Spielraum geben.

Ministerpräsident Oettinger, Sparkassenpräsident Schneider und Oberbürgermeister Dr. Schuster tragen die Grundsatzbeschlüsse einvernehmlich im Namen der Träger mit. Der vor der Bank liegende Weg sei kein leichter, aber unvermeidlich für eine stabile Zukunft der LBBW, die damit klare Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise ziehe. Sie zeigen sich überzeugt, dass die LBBW auch künftig ein leistungsfähiger und zukunftsorientierter Partner für den Mittelstand und die gesamte Wirtschaft bleibt.

Kontakt

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